Sportjugend

Das Wohl der Vereine und Verbände steht im Vordergrund

Dr. Martin Hämmerle, Abteilungsleiter Sportjugend beim Landessportbund Rheinland-Pfalz, blickt auf die vergangenen zwei Jahre zurück und spricht über Herausforderungen und Ziele.

Dr. Martin Hämmerle

Abteilungsleiter Sportjugend
E-Mail: haemmerle@sportjugend.de
Telefon: 06131 2814-311

Mehr Infos und Themen rund um die Sportjugend www.sportjugend.de

Anne-Sophie Joos-Arp
Referentin Digitale Kommunikation

Martin, wenn wir auf den Berichtszeitraum von Oktober 2024 bis September 2026 zurückblicken, welche drei Entwicklungen oder Erfolge waren für deinen Bereich besonders wichtig?

Dr. Martin Hämmerle
Abteilungsleiter Sportjugend

m Bereich Internationales haben wir wieder einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Wir haben die Coronadelle ausgebügelt, durch die sehr viele Beziehungen kaputt gegangen sind, weil während Pandemie keine Begegnungen stattfinden konnten. Da haben wir die Talsohle durchschritten und sind jetzt wirklich wieder auf einem guten Weg, zu alter Stärke zurückzufinden. Das ist auf jeden Fall sehr, sehr positiv. Außerdem konnten wir unsere Freiwilligendienste weiter ausbauen und weiterentwickeln sowie zusätzliche Seminarformate anbieten. Und drittens haben wir auch mit Blick auf die Landtagswahl 2026 der Jugend im Sport eine Stimme gegeben. Also das, was wir uns immer als Vision auf die Fahne geschrieben haben, haben wir nun aktiv umsetzen können. Vor der Wahl haben wir Forderungen aufgestellt und kommuniziert und jetzt arbeiten wir daran, diese auch in die Tat umzusetzen.

Welche konkreten Maßnahmen haben Vereine und Verbände am stärksten betroffen, wovon haben sie am stärksten profitiert – und kannst du das vielleicht an einem Beispiel festmachen?

Zum einen ist es wieder möglich, internationale Maßnahmen durchzuführen und das Bewusstsein ist auch wieder da, dass es wichtig ist, gerade in der Jugendarbeit den internationalen Austausch zu fördern, über Grenzen hinweg Vorurteile abzubauen, eigene Erfahrungen zu machen und andere Kulturen kennenzulernen. Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Baustein für uns in der Jugendarbeit. Aber auch von den Vereinen selbst werden wieder vermehrt Maßnahmen durchgeführt. Wir nehmen Vereine auch an die Hand beim Antragsschreiben und bei der Durchführung von Maßnahmen. Auch im Bereich Freiwilligendienst unterstützen wir die Vereine stark. Jeder Freiwilligendienstleistende, der in einem Verein sein FSJ oder BFD absolviert, ist dort natürlich eine Riesenunterstützung - und da haben wir eine große Nachfrage und wachsende Teilnehmendenzahlen.

Du hast die Coronadelle schon angesprochen, aber gibt es weitere Herausforderungen, die die Sportjugend in den vergangenen beiden Jahren besonders beschäftigt haben?

Was uns ständig beschäftigt, ist im Bereich der Freiwilligendienste die Bundesförderung, die - seitdem ich mich erinnern kann - auf einem sehr niedrigen Niveau stagniert. Da hat sich nichts weiterentwickelt, da warten wir auf eine Gesetzesänderung, auf eine Anpassung der Förderhöhe. Das ist aber gar nicht so einfach. Alle kennen die Debatte zum Thema Bundeswehr und Wehrpflicht, die betrifft uns in sehr, sehr starkem Maße, weil wir noch gar nicht wissen: Gibt es zu einer möglichen Wehrpflicht auch einen Ersatzdienst, den Zivildienst, einen neuen Zivildienst? Wie wird dieser ausgestaltet? Wird er mit uns Trägern mitgestaltet oder werden wir abgeschnitten und die Dienstformen FSJ und BFD verlieren an Attraktivität? Das sind alles Herausforderungen, vor denen wir stehen. Wir verstehen es nicht, dass die Dienstformen, wie sie jetzt bestehen, nicht einfach weiterentwickelt und als Ersatzdienst anerkannt werden. Man könnte sich enorm viel Geld sparen und auf ein sehr, sehr starkes bestehendes Projekt zurückgreifen, das sich bewährt hat und bei dem Jugendliche davon profitieren auf der Suche nach dem richtigen Job, aber auch im Engagement. Oder wo Jugendlichen lernen, dass es wichtig ist, sich zu engagieren - bei uns eben im Sportverein. Das finden wir schade, aber darum werden wir weiter kämpfen. Wir sind mit der Landespolitik, aber auch insbesondere mit der Bundespolitik in regelmäßigem Austausch, haben da auch Formate entwickelt, um darauf hinzuwirken und hinzuweisen, wie toll diese Freiwilligendienste in den Sportvereinen sind, sodass wir unseren rheinland-pfälzischen Abgeordneten im Bundestag mit auf den Weg geben können, was da Tolles passiert, was junge Menschen leisten, was aber auch Sportvereine bereit sind zu investieren in junge Menschen und was daraus für tolle Projekte entstehen können.

Gab es weitere Entwicklungen, die dich vielleicht selbst überrascht haben in den vergangenen zwei Jahren?

Wir haben mit unserer Neuaufstellung seit 2020 einen neuen Weg eingeschlagen und arbeiten da weiter sehr gut zusammen. Wir haben tolle Teams bei uns auf der Geschäftsstelle, wir haben tolle regionale Sportjugenden, wir arbeiten sehr, sehr intensiv zusammen. Und wir versuchen immer, das Wohl der Vereine und Verbände in den Vordergrund zu stellen bei all unseren Projekten. Diese gemeinsame Stimme ist das, was uns stark macht. Ich denke, wir haben uns da auch auf der politischen Ebene wieder einen Namen gemacht. Wir werden eingeladen zu Formaten, werden gefragt, wenn es Anhörungen gibt, wir dürfen Gesetzesvorlagen kommentieren usw. Wir haben da einfach wieder eine gewisse Sichtbarkeit.

Wo siehst du denn aktuell den größten Handlungsbedarf bei der Sportjugend und welche Unterstützung würdest du dir wünschen?

Generell gibt es ja auch ein paar Fördertöpfe, die nicht direkt von uns bespielt sind, die aber landesweit von der Politik entschieden werden. Das sind die Förderung für Maßnahmen der Jugendarbeit, für die soziale Bildung und für die Freizeitmaßnahmen. Da bewegen wir uns seit Jahr und Tag bei einem Stand von drei Euro pro Tag pro Teilnehmenden. Das ist ein Ding, das stagniert, das stellt uns nicht zufrieden, aber genau da setzen wir an, um diese Förderungen nach oben zu setzen. Weil wir sehen, dass die Vereine einen enorm wichtigen Beitrag in der Jugendförderung, in der Ferienbetreuung und auch außerhalb der schulischen Bildung leisten. In diesem nonformalen Bildungskontext leisten wir einen enorm wichtigen Beitrag und dafür brauchen wir Anerkennung. Wir brauchen auch Anerkennung für die Ehrenamtlichen, die diese Jugendarbeit machen beim Thema Verdienstausfall fürs Ehrenamt. Es ist nämlich so, dass man in Rheinland-Pfalz, wenn man sich in der Jugendarbeit engagiert, zwar vom Arbeitgeber freigestellt wird - aber der Verdienstausfall wird nur mit 70 Euro pro Tag vergütet. Das ist noch unter Mindestlohn, da gucken wir immer ganz neidisch nach Hessen rüber und sehen, dass da der Verdienstausfall eins-zu-eins für den Arbeitgeber ersetzt wird. Und das sind Themen, die wir mit der Politik besprechen. Das ist überfachlich und hat auf den ersten Blick wenig mit Sport zu tun. Wenn man dann aber genau hinguckt, dass gerade in diesem Kontext der sozialen Bildung knapp 1.000 Maßnahmen in RLP von unseren Sportvereinen angeboten werden, ist das ein Riesengewinn für die rheinland-pfälzische Gesellschaft. Dass nämlich Ferienbetreuung stattfindet, dass Bewegung stattfindet und das Thema Bewegung hat wieder einen super Effekt auf das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die so gesund aufwachsen können.

Wenn wir uns in zwei Jahren hier nochmal treffen, welche Ziele und welche Projekte sollten bis dahin umgesetzt oder zum Abschluss geführt worden sein? Was sollte angegangen werden bis dahin?

Die soziale Bildung soll auf jeden Fall aufgestockt worden sein, da sind wir dran mit der Landespolitik. Da erhoffen wir uns, dass da jetzt ein bisschen Schwung reinkommt. Das gleiche gilt fürs Thema Ehrenamt. Wir können uns nicht auf die Fahne schreiben, Ehrenamtsland zu sein und nachher vergütet man den Verdienstausfall nicht mal mit Mindestlohn. Das widerspricht sich aus unserer Sicht. Und das Thema Freiwilligendienste ist ein großes Thema. Hier geht es darum, dass wir da endlich mal ein Signal bekommen, dass das, was bereits besteht und das sich etabliert hat, besser gefördert werden kann. Was da aber auch dazu gehört: wir haben unseren eigenen Jugendhauptausschuss am 31. Oktober, dort werden wir Leitplanken aufstellen für unsere Arbeit für die nächsten vier Jahre in der Legislatur der Sportjugend-Zeitrechnung. Dabei werden all unsere Schwerpunktthemen mitgedacht - also Jugendpolitik, Engagementförderung, Freiwilligendienste, Internationale Jugendarbeit und Jugendförderung allgemein. Da holen wir uns Legitimation, wie wir gegenüber der Politik auftreten, um aber auch allen zu zeigen: "Hey, wir sind für euch da. Wenn was ist, dann meldet euch bei uns."


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