Sportentwicklung

Neuaufstellung im Bereich der Nachhaltigkeit

Christof Palm, Abteilungsleiter Sportentwicklung beim Landessportbund Rheinland-Pfalz, blickt auf die vergangenen zwei Jahre zurück und geht dabei auch auf die neue Erfolgsgeschichte des "Haus Rheinland-Pfalz" in Oberjoch ein. 

Christof Palm

Abteilungsleiter Sportentwicklung
E-Mail: c.palm@lsb-rlp.de
Telefon: 06131 2814-117

Mehr Infos und Themen rund um die Sportentwicklung unter www.lsb-rlp.de

Dominik Sonndag
Abteilungsleiter Kommunikation

Christof, welche Entwicklungen beziehungsweise welche Erfolge waren in deinem Bereich besonders wichtig? 

Christof Palm
Abteilungsleiter Sportentwicklung

Ich habe die Abteilungsleitung im Frühjahr 2024 übernommen, also kurz vor der letzten Mitgliederversammlung, nach Jahren in der Kommunikation und in der Geschäftsführung hatte mich die neue Geschäftsführung mit der Aufgabe betraut, die Abteilungsleitung Sportentwicklung zu übernehmen. Insofern galt es, sich erstmal in dieser neuen Rolle zurechtzufinden. Zunächst haben wir noch eine weitere Mitarbeiterin im Gesundheitssport eingestellt und uns anschließend  als Team gefunden. Folgende Arbeitsschwerpunkte möchte ich herausstellen:

Im Bereich der Nachhaltigkeit haben wir uns komplett neu aufgestellt bzw. dem Thema erstmals eine Stimme verliehen. Wir haben eine Kooperation mit ELAN, dem Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk, geschlossen und hier eine erste wertvolle Broschüre mit Good Practice-Beispielen aller 17 Nachhaltigkeitsziele, den sogenannten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, auf den Weg gebracht. Außerdem haben wir Ende 2024 und Ende 2025 zwei Dialogveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit mit interessierten Vereinen und Verbänden aus RLP durchgeführt und dieses Jahr auf Basis dieser beiden Dialogveranstaltungen einen Pilotkonvoi für unsere Z!-Charta Sport Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen. Das Z steht dabei für Zukunftsfähigkeit, ein anderer bzw. etwas weiterführender Begriff für Nachhaltigkeit. Wir sind hier gerade mittendrin, zusammen mit fünf Vereinen und fünf Verbänden aus Rheinhessen, aus dem Rheinland und aus der Pfalz. Gemeinsam haben wir für diesen Pilotkonvoi drei Spielfelder entwickelt in den Bereichen Gesellschaft/Mensch, Natur und Verein und gehen aktuell mit den fünf Vereinen und fünf Verbänden diese Spielfelder durch und entwickeln für jeden der teilnehmenden Vereine und Verbände eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie.


Ein weiterer großer Bereich ist der Gesundheitssport. Auch hier kam es zu einer neuen bzw. zum Wiederbeleben einer Kooperation. Ähnlich wie mit ELAN im Bereich der Nachhaltigkeit haben wir im Bereich des Gesundheitssports die Kooperationen mit der Landesärztekammer und der Landeszentrale für Gesundheitsförderung wiederbelebt und intensiviert. Wir haben das Rezept für Bewegung modernisiert – nicht nur für Erwachsene wie früher, sondern auch im Bereich der Kinder und Jugendlichen. In dem Zusammenhang haben wir alle Kinderärzte in RLP und alle Gesundheitsämter des Landes angeschrieben. Hier geht es insbesondere um die Schuleingangsuntersuchung. Jedes Kind wird, bevor es eingeschult wird, einer Schuleingangsuntersuchung unterzogen. Das ist eine ideale Möglichkeit, auch gerade Kinder, die bewegungsfern sind, auf die Angebote der Vereine hinzuweisen. Wir haben weiterhin im Bereich Gesundheitssport das eigene betriebliche Gesundheitsmanagement intensiviert, damit auch unsere eigenen Kolleg*innen im Haus fit bleiben und wir als Arbeitgeber im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements mit sehr gutem Beispiel vorangehen. Routine ist die Beratung der rund 300 Vereine im Bereich SPORT PRO GESUNDHEIT. Wir beraten die Vereine auf ihrem Weg zu mehr Präventionsangeboten und Kursangeboten im Verein.

Der dritte große Bereich ist „Schule und Verein“ mit den zahlreichen Kooperationsmodellen, die wir zwischen Schulen und Vereinen betreuen. Im Mittelpunkt stand hier zum einen die Weiterentwicklung der Rahmenvereinbarung „Sport im Ganztag“. Es gibt rund 500 Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen im Ganztag. Basis dafür ist eine Rahmenvereinbarung, die in die Jahre gekommen war und die wir gemeinsam mit dem Bildungsministerium erfolgreich verhandelt und neu justiert haben. Erfreulich dabei ist, dass Vereine für den Einsatz von Übungsleitenden nun deutlich besser honoriert werden als in der Vergangenheit. Darüber hinaus gibt es das Sportfinder-Projekt. Hier werden jährlich über 100 niederschwellige Kooperationen zwischen Sportvereinen und Ganztagsschulen unterstützt. Vereine haben die Möglichkeit, in der Ganztagsschule ihre Sportlerinnen und Sportler zu finden. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, ihren Verein zu finden. Das Ganze funktioniert nur, wenn Übungsleitende, die in der Schule im Einsatz sind, entsprechend qualifiziert sind. Deswegen führen wir weiterhin Aus- und Fortbildungsmaßnahmen im Bereich „Sport im Ganztag“ durch. Besonders zu erwähnen ist hier die Entwicklung des digitalen Lernformates BELL. Das steht für „Bewegte Kinder lernen leichter“. Entwickelt haben wir das Format in Kooperation mit dem Transferzentrum für Neurowissenschaft und Lernen der Universität Ulm - es wird herausragend gut angenommen.  
Beim klassischen Kooperationsprojekt „Sport in Schule und Verein“ fördert der LSB regelmäßige Sportangebote von Sportvereinen für Schülerinnen und Schüler außerhalb des Ganztagsbetriebs. Da gilt es, 400 Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen aktiv zu betreuen und zu beraten.  
Für die Zukunft besteht dringender Handlungsbedarf, die 300 Euro, die ein Verein für ein wöchentliches Angebot jährlich erhält, deutlich zu erhöhen.  
Damit diese zahlreichen Kooperationsmodelle in eine bessere Zukunft geführt werden können, haben wir gemeinsam mit dem Präsidium entschieden, dass wir alle Kooperationsmodelle des LSB zwischen Kindertagesstätten und Vereinen sowie zwischen Schulen und Vereinen einer Evaluation unterziehen. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Team von Prof. Lutz Thieme von der Hochschule in Remagen. Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, die uns im Herbst präsentiert werden.



Zu guter Letzt gehört neben Nachhaltigkeit, Gesundheitssport und Schule und Verein auch die Betreuung/Leitung der Sportschule Oberjoch zu unseren Themen. Das ist kein klassisches Sportentwicklungsthema. Aber die Geschäftsführung hat mich damit betraut, diese Sportschule zu betreuen. Hier arbeiten acht Vollzeitkräfte, mehrere Teilzeitkräfte und Aushilfen. Wir haben fast 10.000 Übernachtungen im Jahr und haben es geschafft, die wichtigsten Kennzahlen in den letzten zwei bis drei Jahren nach Corona deutlich zu verbessern.

Du hast von vielen Kooperationen gesprochen, einmal waren es 500, einmal waren es 400, einmal waren es 300. Also große Zahlen, dann gibt es wahrscheinlich gar nicht so eine konkrete Maßnahme, wo Vereine besonders profitiert haben? Oder fällt dir doch eine ein?

Auch wenn es eine kleine Aktion ist und weil sie wahrscheinlich gerade sehr aktuell ist, würde ich gerne noch mal zu sprechen kommen auf den Pilotkonvoi zum Thema Zukunftsfähigkeit der Vereine, also die Z!-Charta. Hier haben die Vereine den Vorteil, dass sie sehr intensiv profitieren von einem starken Netzwerk des LSB. Sie werden von absoluten Top-Profis im Bereich der Nachhaltigkeit beraten und betreut. Zum anderen tauschen sich die Vereine im Rahmen dieses Pilotkonvois auch selbst intensiv miteinander aus. Das heißt, wir haben hier eine Gruppe geschaffen von zehn Mitarbeitenden von Vereinen und Verbänden, die sich auch außerhalb der von uns angeleiteten Webinare intensiv vernetzen. Das Einzige, was sie mitbringen müssen, ist viel Zeit und Mut und Willen für Veränderung.

Gab es irgendwo Herausforderungen, die euch besonders beschäftigt haben und wo ihr es trotzdem geschafft habt, daraus einen Erfolg zu machen? 

Da würde ich gerne noch mal auf das Thema Oberjoch zu sprechen kommen. Ich habe ja schon gesagt, dass wir in Oberjoch die wichtigsten Kennzahlen deutlich verbessert haben. Ich würde gerne einfach ein paar Zahlen präsentieren, damit man einen Eindruck bekommt, wie die Entwicklung in Oberjoch voranschreitet. Der Umsatz der Sportschule hat sich seit 2018 von 346.000 auf über 725.000 Euro im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Im operativen Geschäft stehen im Jahr 2025 diesen Einnahmen von 725.000 Euro Ausgaben von 738.000 Euro gegenüber. Das heißt, wir sind zwar noch leicht defizitär, aber für mich ist es schon fast die schwarze Null, versteht man das Defizit als indirekte Förderung der Vereine und Verbände. Aber natürlich bleibt ein positives wirtschaftliches Ergebnis das große Ziel, das wir in diesem Jahr auch hoffentlich erreichen werden. Blickt man in die 2010er Jahre, als wir regelmäßig 180.0000 bis 200.000 Euro Minus in Oberjoch hatten, ist das eine sehr erfolgreiche Entwicklung. Wohlgemerkt, und das wird im Haushalt nicht ganz deutlich - in diesen Ausgaben sind sämtliche Personalkosten (im Jahr 2025 fast 400.000 Euro), sämtliche Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen und auch die Anschaffung eines neuen Blockheizkraftwerkes mit Kosten von über 50.000 Euro enthalten. Mit diesem Blockheizkraftwerk sind wir in der Lage, nahezu unseren kompletten Strom selbst zu produzieren. Das heißt, wir sind auf einem guten Weg in Oberjoch. Es ist nichtsdestotrotz eine große Herausforderung, weil wir immer den Spagat schaffen müssen: Auf der einen Seite wollen wir wirtschaftlich solide agieren, wollen eine schwarze Null schreiben, auf der anderen Seite aber auch für Vereine und Verbände als unsere Hauptzielgruppe ein weiterhin attraktives Angebot bieten. Das heißt, wir dürfen preislich nur so hoch gehen, dass unsere Sportschule für Vereine und Verbände weiterhin attraktiv bleibt . Wir haben die Preise seit 2018 um über 100 Prozent erhöht, das hört sich immens viel an. Aber wir haben die Coronazeit genutzt, um das Haus sehr intensiv zu sanieren, viel investiert in neue Bäder, neue Etagenduschen, neue Teppiche, eine Rezeption und eine neue Theke. Das Haus war mehrfach über Monate geschlossen und wir hatten die Möglichkeit, mit staatlicher Unterstützung und starkem Einsatz unserer Mitarbeitenden vor Ort zu investieren. Und nur so ist es uns gelungen, die erhöhten Preise zu rechtfertigen. Man muss mit der Zeit gehen und die Sportschule darf nicht auf dem Stand der 60er, 70er, 80er Jahre stehen bleiben. Wir bieten heute eine moderne, top ausgestattete Sportschule.

Wer kann da eigentlich hinfahren ins Haus Rheinland-Pfalz", für wen ist das Haus gedacht und was erwartet die Besucher, die Vereine vor Ort bzw. wie kann man das Haus nutzen als Sportverein? 

Das Haus wurde Mitte der 70er Jahre damals noch unter Mitwirkung von Heiner Geißler als damaligem Sozialminister – der Sport war in den 1970er Jahren im Sozialministerium angedockt – gegründet. Heiner Geißler hat selbst dieses Grundstück mit ausgesucht und es wurde gegründet insbesondere für die Skisport treibenden Vereine und Verbände in Rheinland-Pfalz. Jetzt wissen wir alle: der Klimawandel hat uns erreicht und man kann nicht mehr von Anfang Dezember bis Ende März Skifahren. Das heißt auch, dass wir uns breiter aufstellen, neue Zielgruppen erschließen müssen. Natürlich versuchen wir die Skisport treibenden Vereine und Verbände aus RLP gerade in der Zeit von Mitte Dezember bis Ende Februar bei uns im Haus zu beherbergen, da gibt es auch eine Auslastung von fast 100 Prozent durch rheinland-pfälzische Vereine und Verbände. Aber wir haben uns in ganz unterschiedlichen Segmenten breiter aufgestellt. Wir sind 2025 als erste Unterkunft in Bayern überhaupt als „Bett+Bike-Sport“-Unterkunft zertifiziert worden, weil wir uns auch dem großen Markt der Radfahrer - egal ob Rennradfahrer, Mountainbiker, Bagpacker – öffnen wollen. Darüber hinaus sind ganz klassisch im Allgäu die Wanderer eine Zielgruppe. Wir haben eine Kooperation geschlossen mit alpetour, einem der größten deutschen Klassenfahrtenanbieter. Allein über alpetour haben wir rund 1.500 Übernachtungen. Ich will damit sagen: Wir können das Haus wirtschaftlich nicht nur auf solide Beine stellen durch Vereine und Verbände aus Rheinland-Pfalz. Wir brauchen auch darüber hinaus Publikum – und das sind Klassenfahrten, Bildungsträger, aber auch Familien und Privatreisende. Wir sind im Prinzip für alles offen und freuen uns über jeden Rheinland-Pfälzer – auch hier von der Mitgliederversammlung – der den Weg nach Oberjoch findet.

Du hast über Wanderer, Fahrradfahrer, Skifahrer gesprochen, wenn ich jetzt ein Tischtennisverein bin oder ein Judoverein, kann ich das Haus auch nutzen oder was für Angebote gibt es im Haus selbst noch, welche Sportarten kann ich machen? 

Wir haben dort sehr hochwertige Tischtennisplatten. Das Haus selbst hat eine 18x10 Meter große Sporthalle. Dort können unter professionellen Bedingungen Trainingslager für Tischtennisvereine durchgeführt werden. Seit Jahren kommt schon der rheinland-pfälzische Tanzsportverband in der letzten Oktoberwoche zu uns und führt eine Woche lang ein Trainingslager durch. Wir haben den Kendo-Verband neu hinzugewonnen und den Taekwondo-Verband. Wir gehen also schon aktiv auf rheinland-pfälzische Verbände zu und zeigen ihnen die Möglichkeiten, die bei uns im Haus bestehen.

Wo siehst du aktuell den größten Handlungsbedarf im Themenfeld Sportentwicklung und wo würdest du dir noch eine Unterstützung wünschen? 

Das ist eine spannende Frage. Sportentwicklung lebt davon, neue Ideen aufzugreifen, innovative Ansätze zu testen und auch einmal ungewohnte Wege zu gehen. Dafür wünsche ich mir vor allem ein gemeinsames Verständnis und Offenheit aller Beteiligten, neue Projekte zunächst als Chancen zu betrachten. Ob im Gesundheitssport, in der Nachhaltigkeit, den Kooperationsformen zwischen Schulen und Sportvereinen oder in anderen Zukunftsthemen: Modellprojekte bieten die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen zu sammeln und Entwicklungen anzustoßen. Nicht jede Idee wird sich langfristig bewähren, aber Innovation entsteht oft erst durch das Ausprobieren. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Raum haben, neue Ansätze gemeinsam zu entwickeln, zu testen und aus den gewonnenen Erkenntnissen zu lernen.

Welche Projekte hoffst Du in zwei Jahren zum Abschluss geführt zu haben? 

Ich hoffe zum einen, dass wir dem Themenfeld der Nachhaltigkeit bis dahin noch mehr Bedeutung beimessen. Nachhaltigkeit ist Zukunftsfähigkeit und wenn Vereine und Verbände und auch wir als LSB uns zukunftsfähig aufstellen wollen, bedarf es einer größeren Intensität, nachhaltige Entwicklungen voranzubringen. Ich hoffe weiter, dass die Kooperationsmodelle zwischen Schulen und Vereinen, zwischen Kindergärten und Vereinen eher mehr Bedeutung gewinnen als weniger. Ich hoffe weiter, dass die Sportschule in Oberjoch weiterhin auf einem so guten Weg bleibt, wir 2028 wirklich konstant schwarze Zahlen, vielleicht auch ein kleines Plus erwirtschaften und dass die Wichtigkeit dieser Sportschule im organisierten Sport weiterhin erkannt wird. Und ich hoffe, dass die Abteilung Sportentwicklung auch über meinen dann baldigen Abschied hinaus weiterhin eine wichtige Rolle in diesem Haus spielen wird.

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